Fassadenbegrünung


Fassadenbegrünung ist die günstige und ökologische Alternative zur materialintensiven Dachbegrünung.

 
Münchenstein, 31. 5. 2003


Begrünte Fassaden


Ideologische Vorurteile
Noch immer wird der Diskurs über Vor- und Nachteile begrünter Fassaden wie ein Stellvertreterkrieg um ideologische Grundüberzeugungen geführt. Dieser Grabenkampf wirkt hingegen zunehmend antiquiert, zumal Vor- und Nachteile aufgrund der gewonnenen Erfahrung mittlerweile zuverlässig benannt werden können. Dies wird hier versucht, um dem Hauseigentümer eine sachliche Entscheidung für oder gegen eine Begrünung seiner Fassaden zu ermöglichen. Vorweg genommen sei, dass vielen Vorteilen ein Nachteil gegenüber steht, nämlich der je nach Ausmass der Begrünung nicht unerhebliche Pflegeaufwand.

Efeu und Wilder Wein
Das hartnäckigste Vorurteil hält sich in Bezug auf Schäden an der Fassade bei Kletterpflanzen, welche Haftwurzeln aufweisen. Im Gegensatz zu den sog. Schlingpflanzen wie z.B. der Glycine, welche an Drähten oder anderen Kletterhilfen ranken, benötigen Kletterpflanzen mit Haftwurzeln keine solchen Vorrichtungen zum Wachsen. Die bekanntesten und bewährtesten Vertreter Efeu und Wilder Wein, um welche es im Folgenden geht, bewachsen die Fassade ohne weiteres Zutun flächig und lückenlos.

Schäden an der Fassade?
Doch selbst Kletterpflanzen mit Haftwurzeln schaden der Fassade nicht, es sei denn, man definiere die Spuren, welche die Haftwurzeln heruntergerissener Kletterpflanzen hinterlassen, als Schäden. Die Beseitigung der hartnäckigen Haftwurzeln und der anschliessende Pinselstrich des Malers können tatsächlich ins Geld gehen. Diese “Schäden”, diese optische Beeinträchtigungen entstehen aber nur, wenn man die Kletterpflanze entfernt! Dazu besteht zumindest aus Gründen des Fassadenschutzes wie man heute weiss kein Anlass, im Gegenteil:

Fassadenschutz
Efeu und Wilder Wein besitzen in Bezug auf den Schutz der Fassade eine Menge positiver Eigenschaften:
1. Sie schützen vor Feuchtigkeit: Mit ihren Haftwurzeln entziehen sie der Fassade Feuchtigkeit. Das Regenwasser leiten sie mit ihren wie Dachziegel übereinander gelappten Blättern von Blatt zu Blatt bis an den Boden und tragen dort durch ihren Wasserbedarf dazu bei, dass die Fundamente trocken bleiben. Das immergrüne Efeu erfüllt diese Funktionen auch im Winter.
2. Sie verbessern das städtische Klima: Wie alle Pflanzen verbessern Efeu und Wilder Wein durch Verdunstung die Luft und binden Staub.
3. Sie isolieren: Im Sommer beschatten und kühlen beide Kletterpflanzen die Hauswände. Das immergrüne Efeu mildert auch im Winter den Einfluss extremer Aussentemparaturen in den Häusern.
4. Efeu wirkt wie ein Korsett: Selbst eine fällige Fassadenrenovation kann durch den dichten Bewuchs einer alten Efeubegrünung um Jahre hinausgezögert werden, denn bröckelnder Verputz vermag sich nicht ganz zu lösen, so fest fügt sich das ineinander gewachsene Geflecht der Efeustämme an das Haus.

Schnitt beim Efeu
Wie erwähnt liegt der Nachteil begrünter Fassaden im Aufwand für die Pflege, welche bei grossen Begrünungen nicht unerheblich ist. Beim Efeu gilt: Fenster und Läden müssen jährlich mindestens einmal freigeschnitten werden, Triebe mit Haftwurzeln, welche hier und dort von der Fassade wegragen (sog. “Schwänze”) sollten entfernt werden. Das gilt aber nicht für die blühenden und Früchte tragenden Äste (Alterstriebe), welche ebenfalls von der Fassade weg ragen, und welche man am “atypischen” Efeublatt erkennt und eben daran, dass sie keine Haftwurzeln aufweisen, blühen und Früchte tragen. Diese werden eingekürzt, sobald sie der Hausbesitzer als zu ausladend erachtet.

Schnitt beim Wilden Wein
Beim Wilden Wein gilt ebenfalls: Fenster und Dach freischneiden und aufgrund der im Vergleich zum Efeu geringeren Hafteigenschaften: Triebe, die sich von der Fassade gelöst haben abschneiden, damit sie durch ihr Gewicht nicht noch haftende Partien der Begrünung herunter reissen. Losgelöste dicke Stämme mit Kokosschnur an einem Hacken befestigen. Im Verhältnis zur Fläche ist die mit Wildem Wein begrünte, fensterlose Brandmauer im Unterhalt am Günstigsten: Abgesehen von der Beseitigung des Laubes erfolgt nur alle paar Jahre ein Begrenzungsschnitt im Dachbereich.

Laubanfall
Mehraufwand entsteht auch durch fallendes Laub. Der wilde Wein lässt nach seiner prächtigen roten Herbstfärbung alles Laub auf einmal fallen. Efeulab hingegen fällt das ganze Jahr hindurch, bei grossen Pflanzen in stattlichen Mengen! Hausmeisterfreundlich sind grüne Fassaden deshalb nur bedingt, und wer zur “Sauberkeit” eine kultische Beziehung pflegt, dem sei von einer Fassadenbegrünung dringend abgeraten.

Ökologischer Nutzen
Beide Kletterpflanzen bieten Bienen, seltenen Insekten und Vögeln ein reiches Nahrungsangebot. Für Vögel sind die Nistmöglichkeiten im dichten Efeu besser als in jedem Baum. Die Luft ist während der Blütezeit im Herbst vom Blütenduft geschwängert, und obwohl die Pflanzen zu dieser Zeit vom Summen tausender Bienen und anderer Nektar suchender Insekten regelrecht tosen, verirren sich nicht wesentlich mehr Wespen und Fliegen in die Wohnungen als dies bei Wohnungen eines Hauses mit nackter Fassade der Fall ist.

Mit etwas Mut
Wieviel nackte Brandmauern, Garagen oder andere Hässlichkeiten könnten mit einer Begrünung Schönheit und ökologischen Nutzen gewinnen! Selbst wo man keiner Pflanzmöglichkeit gewahr wird: Kletterpflanzen nie in Töpfe oder Tröge setzen, das geht schief. Man braucht bloss ein tellergrosses Stück im Teer- oder Verbundsteinbelag zu entfernen, um eine Kletterpflanze zu setzen, welche im Nu einen ganzen Innenhof begrünt. Unter der Erdoberfläche findet die Pflanze noch in weiter Entfernung genügend Wasser und Närstoffe für ihre gewaltige Ausdehnung.
Wem an der Steigerung seiner Wohnqualität oder derjenigen seiner Mieter gelegen ist, wer der Natur einen nicht zu unterschätzenden neuen Lebensraum erschliessen möchte, der kann mit der Pflanzung einer Kletterpflanze wirkungsvoll zur Verbesserung der städtischen Umgebung beitragen.
Glycine an Rankgerüst, Efeu am Nebenhaus
© Haefeli Gartenbau GmbH, 2016-07-13 22:51
-> login